Kommodifizierung der Stadtpolitik

Anna Richter (Bremen)

In meinem Beitrag soll es um die Ausweitung privatwirtschaftlich organisierter Räume gehen, die ich als Kommodifizierung der Stadt(politik) bezeichnen möchte. Privates Hausrecht und das genau kalkulierte Design der (Anordnung von) Waren, die erst Bedürfnisse produzieren müssen, bevor sie befriedigt werden können, machen BürgerInnen zu KonsumentInnen und transformieren dabei nicht nur den physischen Raum, sondern vor allem den psychischen, den der Wahrnehmung, des Be- und Empfindens.

Die symbolische Ökonomisierung der Stadt prägt der (imaginierten) Stadt ein modernisiertes "Stadtwappen" auf, das nach innen wie auch nach außen wirkt: Nicht nur sollen die BürgerInnen mit ihrer Stadt sich identifizieren können, sondern auch nach außen soll ein Rahmen gesetzt werden, der die Stadt zur abgeschlossenen und räumlich auf touristische Highlights begrenzten Erfahrung reduziert, indem sie symbolisch reproduziert wird (Identität/Identifikation und Image). Das Image einer Stadt setzt sich kaum noch aus lokalen Besonderheiten oder historischen Gewordenheiten zusammen, sondern aus universal bekannten, lokal angesiedelten "Leuchttürmen," wie Space Parks, Hafencities, Adventure Lands, etc., die jedoch motivhaft mit lokaler Geschichte verknüpft sind. Inzwischen zählen sogar restaurierte und in Szene gesetzte historische Innenstädte zu den Urban Entertainment Centern, deren Zielpublikum ein gewisses Maß an kulturellem Kapital voraussetzt.
Besonderes Interesse möchte ich der Frage widmen, welche Rolle der Kultur(wirtschaft) bei dieser Inszenierung des städtischen Raums zukommt. Wer "kolonialisiert" hier wen? Ließe sich von einer Kulturalisierung der Stadtpolitik und Stadtbewirtschaftung sprechen oder unterliegt die Kultur rein ökonomischen Prinzipien, handelt es sich also um eine Kommerzialisierung von Kultur? Oder beides?

zurück